Schnelle Linderung von Beschwerden oder Ursachen verstehen - Zwei Sichtweisen
- Sabine Bindszus
- vor 19 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 46 Minuten

Neulich saß ich mit meinen Heilpraktiker-Kollegen beim Abendessen zusammen. Wir kennen uns schon ein paar Jahre und treffen uns ab und zu, um uns auszutauschen.
Eine liebe und von mir geschätzte Kollegin erzählte von einer Patientin, die beruflich viel Verantwortung trage und meistens im Stress sei. Sie komme immer mal wieder zu ihr, wenn Beschwerden auftreten. So habe sie auch kürzlich wieder einen Anruf von ihr erhalten, ob sie ihr nicht "mal eben schnell" bei ihrer Symptomatik helfen könne. Länger als eine Viertelstunde hätte sie allerdings nicht Zeit, da sie anschließend gleich wieder weg müsse. Meine Kollegin sagte "Klar, machen wir." Sie habe ihr ein paar Nadeln gesetzt, und der Frau sei es im Laufe des Tages wieder besser gegangen.
"Das ist prima.", sagte ich. "Aber dann bleibt sie ja trotzdem weiterhin in ihrem Funktioniermodus." Darauf entgegnete mir meine Kollegin: "Ja, aber wir sind nicht dazu da, Menschen zu verändern. Wenn es ihr jetzt besser geht, ist das doch gut."
Und, ja, da hat sie recht. Viele Betroffene wünschen sich genau das: dass ihre Beschwerden schnell wieder verschwinden.
Trotzdem wurde mir einmal mehr klar, dass mein Blick ein anderer ist.
"Na, mal sehen, wie lange.", sagte ich.
Darauf war ihre pragmatische Antwort: "Ja, wenn es ihr wieder schlechter geht, dann kommt sie eben wieder."
Dieses Gespräch hat mich noch eine Weile beschäftigt. Nicht, weil ich denke, dass die Herangehensweise meiner Kollegin falsch ist. Sie hat genauso ihre Berechtigung. Wenn jemand schnelle Linderung erfährt, ist das etwas Gutes.
Und trotzdem habe ich in diesem Moment klar gespürt: Das ist nicht mein Weg.
Wie ich darüber denke
Durch Beschwerden zeigt uns unser Körper, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Manchmal aber auch, dass etwas auf einer tieferen, seelischen Ebene gesehen und verstanden werden möchte. Etwas, das vielleicht verdrängt wurde oder unausgesprochen geblieben ist und lange keinen Raum bekommen hat.
Aber möchten wir wirklich nur, das Symptome möglichst schnell wieder verschwinden, damit wir anschließend genauso weitermachen können wie bisher?
Oder dürfen wir uns eingeladen fühlen innezuhalten und uns zu fragen:
Was in meinem Leben braucht gerade Aufmerksamkeit?
Warum meldet sich mein Körper überhaupt?
Es gibt Menschen, die unglaublich viel tragen und immer für andere da sind. Sie organisieren den Familienalltag, pflegen ältere oder kranke Angehörige, stehen beruflich unter Druck und möchten auch ihrem Freundeskreis gerecht werden. Dazu kommen unter Umständen noch finanzielle Sorgen. Für sie selbst und ihre Bedürfnisse bleibt dabei oft wenig Raum. All das kostet Kraft. Manchmal entsteht dabei sogar das Gefühl:
Wenn ich das nicht zusammenhalte, bricht alles auseinander.
Mein Weg
Ich arbeite anders.
Ich nehme mir Zeit.
Wir schauen gemeinsam hin.
Der Körper darf zeigen, wo der Schuh drückt.
Dieser Weg ist zwar nicht immer der schnellste. Aber oft führt er zu einem tieferen Verständnis und zu positiven Veränderungen, die über den Moment hinaus nachhaltig wirken können.
Manchmal beginnt genau dort etwas, das weit über eine schnelle Linderung hinausgeht.
Natürlich liegt mir viel daran, die Menschen, die zu mir kommen, so zu begleiten, dass es ihnen möglichst bald wieder besser geht. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass sich nichts erzwingen lässt und immer nur das geschehen kann, was in diesem Moment sinnvoll und möglich ist.
Ebenso wichtig ist mir herauszufinden, warum die Beschwerden überhaupt entstanden sind. Denn oft war auch der Weg bis hierhin ein langer.
Wenn wir gemeinsam mögliche Zusammenhänge betrachten, entstehen manchmal ganz stille, aber sehr klare Aha-Momente: Dieses "Achso..., wenn plötzlich etwas Sinn ergibt und in einem neuen Licht gesehen werden kann.
Solche Einsichten können wichtige Impulse geben. Sie laden dazu ein, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Daraus kann ein anderer Umgang mit aktuellen Belastungen oder Situationen entstehen. Nicht selten erleben Betroffene dann, dass sich damit auch ihre Symptome deutlich verbessern oder sogar ganz verschwinden.
Einige Menschen ahnen zwar bereits, dass ihre Beschwerden eine Botschaft tragen. Doch lieber schieben sie sie beiseite, weil das Leben weiterlaufen soll. Oft steht dahinter eine Angst vor dem, was sich zeigen könnte, wenn sie innehalten und ihrem Körper zuhören.
Wahrnehmen verändert bereits etwas.
Weshalb ist das so? Weil mehrere Dinge gleichzeitig passieren:
Der Körper wird ernst genommen.
Unsere Seele spricht über unseren Körper.
Wenn ein Mensch innehält und wirklich wahrnimmt, was da ist - Schmerz, Druck, Müdigkeit, Trauer oder Angst -, entsteht erstmals ein Kontakt. Viele Symptome verstärken sich, solange sie übergangen oder weggedrückt werden. Aufmerksamkeit wirkt oft schon regulierend auf unser Nervensystem.
Unser Nervensystem kommt aus dem Alarmmodus heraus.
Wenn wir nur funktionieren, befinden wir uns häufig im Dauer-Stress-Modus. Wenn wir innehalten und spüren, passiert etwas Entscheidendes: Der Körper darf einen Moment aus diesem inneren Drang des Weiter-Müssens heraustreten.
Viele Menschen haben sich im Alltag ein Stück von sich selbst entfernt. Wahrnehmen ist der erste Schritt zurück zu dieser inneren Verbindung. Und genau darin liegt eine große Kraft.
Mit dem eigenen Körper in Kontakt zu treten kann zunächst ungewohnt sein. Manche haben Angst vor dem, was sich zeigen könnte oder davor, dass plötzlich alles über ihnen zusammenbricht.
Doch es geht nicht darum, alles zu verstehen oder noch einmal neu zu durchleben. Es geht auch nicht um dramatische Konfrontation, sondern um einen Moment von Aufmerksamkeit.
Wenn wir beginnen wahrzunehmen, kann sich bereits etwas verändern:
Wir nehmen Druck aus dem System, weil unser Körper endlich gehört wird. Allein das kann schon Spannung lösen.
Gefühle dürfen sich zeigen und wieder gehen.
Zusammenhänge erschließen sich - Klarheit entsteht.
Der innere Druck nimmt ab, weil nichts mehr verdrängt werden muss.
Ein Gedanke zum Schluss
Nicht immer braucht es sofort eine schnelle Lösung auf Knopfdruck, sondern manchmal einfach einen Weg hin zu mehr Bewusstsein für das, was in unserem Leben gerade gesehen werden möchte - damit es wieder leichter sein darf.
Das eine schließt das andere nicht aus.
Die energetische Arbeit ist dabei ein wesentlicher Teil meiner Begleitung und fließt ganz selbstverständlich in diesen Prozess mit ein.
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