Unsere Haut - Grenze und Spiegel
- Sabine Bindszus
- 18. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Jan.

Unsere Haut ist mehr als nur ein Organ: Sie ist Grenze und Kontaktfläche zugleich. Sie trennt uns nicht nur von der Außenwelt, sie verbindet uns auch mit ihr. Alles, was uns berührt - körperlich wie seelisch - kommt zuerst hier an.
Hautthemen sind selten rein körperlich. Sie stehen oft in Zusammenhang mit dem, was uns innerlich bewegt, überfordert oder nach Schutz ruft. Die Haut wird damit zu einem Spiegel: für Belastung, für Nähe und Distanz, für das Bedürfnis nach Rückzug oder Kontakt.
Die Haut als Grenze
Unsere Haut markiert, wo wir beginnen und enden. Sie hält zusammen, was zu uns gehört, und schützt uns vor dem, was zu viel ist. Manchmal geht es dabei um Nähe, manchmal um Abstand oder auch das Gefühl, sich schützen zu müssen.
Schutz und Überforderung
Oft meldet sich die Haut dann, wenn es innerlich zu viel wird. Wenn Eindrücke, Anforderungen oder Emotionen keinen Raum zur Verarbeitung finden. Sie übernimmt gewissermaßen eine Aufgabe, die anderswo keinen Ausdruck bekommen hat. Nicht immer lässt sich ein konkretes Ereignis benennen; manchmal ist es eine längere Phase des Funktionierens, des Sich-Anpassens, des "Ich halte das schon aus." Über die Haut wird dann spürbar, dass hier eine Grenze erreicht ist.
Nähe und Distanz
Die Haut ist auch das Organ der Berührung. Über sie erfahren wir Nähe, Geborgenheit und Zuwendung. Fehlt das - oder wird es zu viel -, kann sich auch das dort zeigen.
Manche Hautreaktionen treten in Zeiten auf, in denen Nähe schwierig ist oder es Abgrenzung braucht; andere, wenn Abgrenzung schwerfällt. Die Haut spiegelt dann innere Spannungen zwischen dem Wunsch nach Kontakt und dem Bedürfnis nach Schutz.
Sichtbar werden
Hautthemen lassen sich selten verbergen. Sie zeigen sich bspw. durch Rötungen, Ausschlag, Juckreiz oder Schmerzen. Für viele Menschen ist das nicht nur körperlich besonders herausfordernd, sondern auch emotional.
Die Haut konfrontiert uns mit dem Gesehenwerden. Mit Unsicherheit, manchmal auch mit Scham oder dem Wunsch, sich zurückzuziehen. Sie meldet sich dort, wo etwas nicht länger verborgen bleiben kann.
Wahrnehmen
Wie bei allen Körpersignalen geht es auch hier nicht um schnelle Erklärungen und Deutungen. Nicht jede Hautreaktion will dasselbe sagen, und nicht alles lässt sich benennen. Wichtiger als das "Warum" ist oft das Innehalten und Wahrnehmen. In Kontakt gehen mit dem, was sich zeigt, ohne es sofort verändern zu wollen. Die Haut braucht keinen Druck, sondern Aufmerksamkeit. Sie ist kein Thema, das man nebenbei behandelt. Sie ist wie ein eigener Raum, in dem sich Schutz, Kontakt, Sichtbarkeit und Grenze begegnen.
Wenn die Haut spricht, lohnt es sich zuzuhören. Um in Beziehung zu bleiben mit sich selbst und mit dem, was gerade Schutz braucht.
Wenn die Haut zum Rückzug ruft - am Beispiel der Gürtelrose
Manche Hautreaktionen tragen eine sehr klare Botschaft in sich. Sie scheinen weniger nach außen zu wollen als vielmehr nach innen zu führen. Ein Beispiel dafür ist die Gürtelrose (Herpes Zoster). Sie tritt häufig in Phasen auf, in denen der Körper ohnehin erschöpft oder das System stark beansprucht ist und unter Spannung steht. Besonders, wenn die Erkrankung im Gesicht oder im Kopfbereich auftritt, berichten Betroffene nicht selten von einem ausgeprägten Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe. Reize wie Licht, Lärm oder Berührungen werden als kaum erträglich erlebt. Hier reagiert der Körper über die Haut, weil es innerlich an Kraft fehlt, sich ausreichend abzugrenzen gegenüber dem, was von außen einwirkt. Das System fordert eine Pause ein.
Manchmal ist es auch die Summe von verschiedenen Eindrücken: Informationen, Ängste, Sorgen und Bilder, die innerlich weiterarbeiten. Auch das kann zu viel werden.
Die Haut zieht Grenzen dort, wo Schutz wichtiger ist als Durchhalten.





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