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Symptome lindern vs. Ursachen verstehen - Zwei Wege der Behandlung

  • Sabine Bindszus
  • vor 13 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit


Neulich saß ich mit ein paar Heilpraktiker-Kollegen beim Abendessen zusammen. Wir kennen uns schon ein paar Jahre und treffen uns ab und zu, um uns auszutauschen.


Eine liebe und von mir geschätzte Kollegin erzählte von einer Patientin, die beruflich viel Verantwortung trage und meistens im Stress sei. Sie komme immer mal wieder zu ihr, wenn Beschwerden auftreten. So habe sie auch kürzlich wieder einen Anruf von ihr erhalten, ob sie ihr nicht "mal eben schnell" bei ihrer Symptomatik helfen könne. Länger als eine Viertelstunde hätte sie allerdings nicht Zeit, da sie anschließend gleich wieder weg müsse. Meine Kollegin sagte "Klar, machen wir." Sie habe ihr ein paar Nadeln gesetzt, und der Frau sei es im Laufe des Tages wieder besser gegangen.


"Das ist prima.", sagte ich. "Aber dann bleibt sie ja trotzdem in ihrem Funktioniermodus." Darauf entgegnete mir meine Kollegin: "Ja, aber wir sind nicht dazu da, Menschen zu verändern. Wenn es ihr jetzt besser geht, ist das doch gut."


Und, ja, da hat sie recht. Viele Betroffene wünschen sich genau das: dass ihre Beschwerden schnell wieder verschwinden.


Trotzdem wurde mir einmal mehr klar, dass mein Blick ein anderer ist.


"Na, mal sehen, wie lange.", sagte ich.


Darauf war ihre pragmatische Antwort: "Na und? Wenn es ihr wieder schlechter geht, dann kommt sie eben wieder."


Dieses Gespräch hat mich noch eine Weile beschäftigt. Nicht, weil ich denke, dass die Herangehensweise meiner Kollegin falsch ist. Sie hat genauso ihre Berechtigung. Wenn jemand schnelle Linderung erfährt, ist das etwas Gutes.


Und trotzdem habe ich in diesem Moment klar gespürt:


Das ist nicht mein Weg.



Wie ich darüber denke


Durch verschiedene Beschwerden zeigt uns unser Körper, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Manchmal aber auch, dass etwas auf einer tieferen, seelischen Ebene gesehen und verstanden werden möchte. Etwas, das vielleicht verdrängt wurde oder unausgesprochen geblieben ist und lange keinen Raum bekommen hat.


Aber möchten wir wirklich nur, das Symptome möglichst schnell wieder verschwinden, damit wir anschließend genauso weitermachen können wie bisher?


Oder dürfen wir uns eingeladen fühlen innezuhalten und uns zu fragen:


Was in meinem Leben braucht gerade Aufmerksamkeit?


Warum meldet sich mein Körper überhaupt?


Es gibt Menschen, die unglaublich viel tragen: Sie organisieren den Familienalltag, pflegen ältere oder kranke Angehörige und stehen beruflich unter Druck. Dazu kommen unter Umständen auch noch finanzielle Sorgen. All das kostet Kraft und lässt kaum Zeit zum Durchatmen. Manchmal entsteht dabei sogar das Gefühl:


Wenn ich das nicht zusammenhalte, bricht alles auseinander.



Mein Weg


Ich arbeite anders.


Ich nehme mir Zeit.

Wir schauen gemeinsam hin.

Der Körper darf zeigen, wo der Schuh drückt.


Dieser Weg ist zwar nicht immer der schnellste. Aber oft führt er zu einem tieferen Verständnis und zu positiven Veränderungen, die über den Moment hinaus nachhaltig wirken können.


Manchmal beginnt genau dort etwas, das weit über eine schnelle Linderung hinausgeht.


Natürlich liegt mir viel daran, die Menschen, die zu mir kommen, so zu begleiten, dass es ihnen möglichst bald wieder besser geht. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass sich nichts erzwingen lässt und immer nur das geschehen kann, was in diesem Moment sinnvoll und möglich ist.


Ebenso wichtig ist mir herauszufinden, warum die Beschwerden überhaupt entstanden sind. Denn oft war auch der Weg bis dahin kein kurzer.


Wenn wir gemeinsam mögliche Zusammenhänge betrachten, entstehen manchmal ganz stille, aber sehr klare Aha-Momente: Dieses "Achso..., wenn plötzlich etwas Sinn ergibt und in einem neuen Licht gesehen werden kann.


Solche Einsichten können wichtige Impulse geben. Sie laden dazu ein, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Daraus kann ein anderer Umgang mit aktuellen Belastungen oder Situationen entstehen. Nicht selten erleben Betroffene dann, dass sich damit auch ihre Symptome deutlich verbessern oder sogar ganz verschwinden.



Ein Gedanke zum Schluss


Nicht immer braucht es sofort eine schnelle Lösung auf Knopfdruck, sondern manchmal einfach einen Weg hin zu mehr Bewusstsein für das, was in unserem Leben gerade gesehen werden möchte - damit es wieder leichter sein darf.





 
 
 

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SABINE BINDSZUS - HEILPRAKTIKERIN

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